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Das Tagebuch von Abid Khan – Frühling 2018


Das Tagebuch von Abid Khan - Frühling 2018

Nur ein kleiner Ausschnitt aus den Tagebüchern, geschrieben von Abid Waheed Khan Sahib, sind im Magazin „Ismael“ enthalten.

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Rückkehr aus Spanien

Am 24. April 2018 hatte ich die Gelegenheit, Hudhur nach einer Zeitperiode von 3 Wochen zu treffen, da er einen Abend zuvor von einem Aufenthalt aus Spanien zurückgekehrt war.

Gnädigerweise erlaubte mir Hudhur, an diesem Nachmittag über zwei Stunden bei ihm zu sitzen, während er verschiedene Ordner von Briefen durcharbeitete, die auf seinem Schreibtisch lagen.

Sogar nachdem ich meinen Bericht des Tages präsentiert hatte, ließ mich Hudhur weiterhin bei ihm sitzen und ich bin mir sicher, er tat dies, weil Hudhur die Gefühle meines Herzens kannte.

Ein Fall von neun Entbindungen

Während der Mulaqat teilte ich Hudhur einige Rückmeldungen mit, welche ich zu den Tagebüchern erhielt, die ich ein paar Wochen zuvor über das National Peace Symposium der UK Jamaat geschrieben hatte.

Ein Ahmadi aus Ghana hatte geschrieben:

“Abid Sahib, Ihr Tagebuch ist geschwängert mit neuen Informationen“

[„Abid sahib, your diary is pregnant with new information”]

Es war eine Redewendung, die ich vorher noch nie gehört hatte und eine, welche mich zum Lachen brachte.

Nach dem Hören dieses Kommentares, sagte Hudhur:

„Du solltest Englisch von den Ghanaern lernen! Sie verwenden ihre einheimischen Redewendungen auf Englisch.“

Ich fuhr fort und präsentierte weitere Kommentare, Hudhur lächelte und sagte:

„Du hast die Kommentare von neun Personen erwähnt, also könnte man sagen, dass du heute neun erfolgreiche Entbindungen hattest!“

Ich lachte viel und auch Hudhur lachte mit seinem schönen und leuchtenden Lächeln.

Ich war froh, dass ich den Kommentar des ghanaischen Ahmadi geteilt hatte, da Hudhur sich daran erinnerte und sich darüber freute.

"Phir allah ke saath BataiN kiN"

Während dem Mulaqat erwähnte Hudhur auch einen vor einer Woche in „Al Hakam“ veröffentlichten Artikel, in dem Hudhur ein Interview gegeben hatte und über seine Emotionen und Erinnerungen sprach, als er im Jahre 2003 zum Khalifatul Masih gewählt wurde.

Es war ein wunderschönes und berührendes Interview, in dem die Leser einen sehr persönlichen Einblick in jene Tage bekommen haben, in denen Hudhurs Leben sich für immer veränderte.

Ich erzählte Hudhur, dass mich eine Passage besonders berührte, in welcher Hudhur erzählt hatte, dass er eine gewisse Zeit alleine mit dem gesegneten Leichnam von Hadhrat Khalifatul Masih IVRH in einem Raum, angrenzend der Mahmood Hall, verbracht hatte.

Daraufhin merkte Hudhur an:

„Es wurde zwar nicht im Al-Hakam-Artikel erwähnt, aber anfangs war ein Sicherheitswachmann präsent, welcher in seinem Dienst neben dem Sarg stand, in dem Hadhrat Khalifatul Massih IVRH ruhte, jedoch bat ich ihn zu gehen, weil es für mich nicht möglich war, mein Herz in Anwesenheit anderer vor Gott zu öffnen und meine Gefühle auszudrücken. Nachdem er ging, sprach ich mit Allah dem Allmächtigen.“

Ich fand Hudhur’s letzte Äußerung besonders schön und ergreifend. In Urdu sagte Hudhur:

„Phir, Allah ke saath baaten ki“

 

Und es war eine Reflexion darüber, wie in diesen Tagen voller Verzweiflung und Auflösung, Hudhur sich ausschließlich und stets allein Allah dem Allmächtigen zuwandte.

Überflüssige Eile

Durch Allahs Gnade erhielt ich während dieser Tage an einem Nachmittag eine Schachtel Schokolade von Hudhur. Es geschah, dass, als ich die Schachtel öffnete, ich sie falsch herum hielt, sodass die Schokoladen nach unten gerichtet waren und zu Boden fielen.

Da sie ein Geschenk von Hudhur waren, wollte ich nicht, dass sie verschwendet wurden und so hob ich sie schnell auf und legte sie zurück auf das Tablett. Am nächsten Tag erzählte ich Hudhur davon, wie ich die Schokolade fallen ließ und wieder aufhob.

Daraufhin sagte Hudhur:

„Hast du nicht geschaut, von welcher Seite du die Schachtel öffnest? Du wurdest als Anwalt ausgebildet und Anwälte sollten doch sorgfältig sein.“

Ich antwortete und sagte:

„Hudhur, Ich bin kein Anwalt mehr! Das scheint mir ein ganz anderes Leben zu sein!“

Meine Antwort hörend sagte Hudhur:

„Ja, du bist nicht länger ein Anwalt, aber du bist im Pressebüro und auch gute Medienvertreter müssen sorgfältig sein!“

Wohl wissend, dass Hudhur Recht hatte, nickte ich.

Darauffolgend sagte Hudhur:

„Ich habe beobachtet, dass es Teil deiner Natur ist, Dinge in Eile zu tun. Zum Beispiel, setzt du dich immer hastig hin oder stehst hektisch auf, aber du solltest versuchen die Gewohnheit zu entwickeln, in jeglichen Situationen ruhig zu bleiben und nichts zu überstürzen.“

Wieder hatte Hudhur vollkommen Recht. Während ich von mir denke, ziemlich ruhig zu sein, entspricht es der Wahrheit, dass ich leicht aufgeregt und nervös werde.

Hudhur wies mich weiter an und sagte:

„Pehla kadam aaram say liya karo aur phir dhor lagao.“

Was bedeutet:

„Nimm den ersten Schritt langsam und dann renne schnell.“

 

Es war ein schöner Rat und ein Mittel, um mich nicht nur in meinen persönlichen Gepflogenheiten anzuleiten, sondern auch in meiner Arbeit. Wenn mir eine Aufgabe erteilt wird, soll ich mir ein wenig Zeit nehmen, um die Angelegenheit zu bewerten und zu verstehen und nach der Vorbereitung sollte die Arbeit schnell und sorgfältig durchgeführt werden.

Ein Schluck Wasser

Gewiss, um ruhiger werden zu können, muss ich nicht weiter nach Vorbildern suchen, denn das gesegnete Vorbild von Hudhur ist herausragend.

 Zweifellos, die ruhigste und gefassteste Person, die ich jemals getroffen habe, ist Hudhur.

Beispielsweise, an einem Morgen im späten Jahr 2017, war Hudhur mit Daftari Mulaqats (Büro-Meetings) in der Fazl Moschee beschäftigt.

Am späten Morgen kam Hudhur aus seinem Büro heraus und begab sich in die Mahmood Halle, wo er eine Gruppe von Khuddam traf, welche aus Norwegen angereist waren.

Während dem Treffen lachte Hudhur, lächelte, zeigte starke Zuneigung gegenüber den Khuddam und beantwortete all ihre Fragen.

Später fand ich heraus, dass Momente bevor er die Norwegischen Khuddam traf, Hudhur bekümmernde und bestürzende Nachrichten erhalten hatte. Ein arabischer Ahmadi, der eine lange Zeit für die Jamaat gearbeitet hatte und lange ein Empfänger der Liebe des Khilafat war, war in das Büro von Hudhur gekommen, um Hudhur mitzuteilen, dass er die Jamaat verlassen werde.

Als mich Hudhur anwies, ruhiger zu sein, erwähnte ich diesen Vorfall vor ihm und sagte, dass ich mir niemals hätte vorstellen können, dass er solch bestürzende Nachrichten einige Augenblicke zuvor erhalten hatte.

Hudhur antwortete darauf:

„Ich lasse mich durch solche Dinge nicht beeinflussen und schaue immer nach vorne, denn egal welche Hindernisse in unseren Weg gelegt werden, die Jamaat wird immer fortschreiten und wir müssen unsere Aufgaben weiterhin fortführen. Deshalb, nachdem ich diese Nachricht erhielt, nahm ich mir 30 Sekunden und nahm einen Schluck Wasser zu mir. Danach war ich vollkommen in Ordnung und war bereit, die Khuddam zu treffen und schenkte dieser Angelegenheit keinen weiteren Gedanken.“

 

Ich erinnere mich, wie ich in diesem Moment still saß, erstaunt über Hudhurs Gelassenheit und Geduld.

Ein emotionales Treffen

Anfang Juni 2018 hatte unter anderem Frau Rameez Abbas, eine Assistenzprofessorin an der National Defence University in Washington D.C., die Südasiatische Politik und Islam lehrt, die Möglichkeit, Hudhur in der Fazl Moschee zu treffen.

Rameez Sahiba, die seit einiger Zeit über Ahmadiyyat forschte, fragte Hudhur nach dem Konzept von Führung, genauer, was seine Leitung als Khalifatul Massih beeinflusste.

Ausdrücklich fragte Rameez Sahiba:

„In Bezug auf Ihre Führerschaft bin ich daran interessiert zu wissen, wie die Führerschaft des Dritten Khalifen, Hadhrat Mirza Nasir AhmadRH und des Vierten Khalifen, Hadhrat Mirza Tahir AhmadRH Ihre gegenwärtige Führerschaft dieser Ära beeinflusst haben?“

Darauf antwortend sagte Hudhur:

„Weder die Führerschaft von Hadhrat Mirza Tahir AhmadRH noch der von Hadhrat Mirza Nasir AhmadRH haben meine Führerschaft beeinflusst, eher ist es der Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad aus Qadian, der bestimmt und beeinflusst, was ich sage und tue.“

„Ich bin Khalifatul Masih, genau wie es meine Vorgänger Hadhrat Mirza Tahir Ahmadrh und Hadhrat Mirza Nasir Ahmadrh waren. So wie diese dem Verheißenen Messiasas in allen Angelegenheiten Folge leisteten und versuchten, seine Mission zu erfüllen, so folge auch ich ihm. Jeder Khalifa folgt den Anweisungen von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmadas aus Qadian, weil wir seine Nachfolger sind.“

Hudhur fuhr fort:

„Während unsere Ziele und Intentionen exakt dieselben sind, ist es wahr, dass jeder Khalifa seinen persönlichen Stil hat und die gegenwärtigen Belange einer jeden Ära eine Rolle bei der Festlegung jener Dinge spielen, auf welche der Khalifa den Fokus legt. Dennoch ist das grundlegende Konzept der Führerschaft und was wir der Welt verkünden, exakt dasselbe und wird es auch immer sein.“

Da Hudhur pausierte, fügte Rameez Sahiba hinzu:

„Ich habe neulich einen Artikel Ihrer geachteten Ehefrau gelesen, Hadhrat Amatul Sabooh Begum, in der sie sagt, dass sie Hadhrat Mirza Tahir AhmadRH sehr nah waren und ich gehe deshalb davon aus, dass er einen großen Einfluss auf Ihr Leben gehabt haben wird.“

In Bezug darauf sagte Hudhur:

„Als ich das Bai’at der Khulafa ableistete, die mir vorausgingen, bedeutete dies, dass ich mich verkauft hatte. Das arabische Wort Bai’at heißt wörtlich „sich verkaufen“ und wenn du dich verkaufst, bedeutet das, dass du nicht länger Kontrolle über dein eigenes Schicksal hast und dass dein Leben in den Händen von jemand anderen ist. Deshalb war die Beziehung, die ich zu den Khulafa vor mir hatte, exakt diese, dass ich auf sie hörte und ihnen in jeglicher Angelegenheit Folge leistete.“

Weiter sagte Hudhur:

„Als ich Student war, wurde die Situation für Ahmadis in Pakistan zunehmend unruhig und gefährlich. Schließlich rieten mir einige Personen aus meinem engen Umfeld, nicht zurück zur Universität zu gehen, da es zu gefährlich war. Unter diesen Umständen sagte Hadhrat Khilfatul Masih IIIRH zu mir, ich solle mich nicht fürchten und wies mich an, weiterhin hinzugehen und den Unterricht zu besuchen.“

„Daher war vielleicht die erste wichtige Lektion, die er mir persönlich gab, Courage und Mut in mir zu erwecken. Während mir andere sagten, ich würde geschlagen und gnadenlos attackiert werden, falls ich zur Universität ginge, sagte mir mein Khalifa, dass ich jegliche Furcht ignorieren solle und keinerlei Umstände mich einschüchtern und daran hindern sollten, meinen Unterricht zu besuchen.“

Nachdem Hudhur dieses Ereignis beschrieb, erwähnte er auch, dass der Vizekanzler der Universität später die Ahmadis vom Besuchen der Universität stoppte, bis die Umstände sich besserten.

Hudhur sagte:

„Als ich Waqf-e-Zindagi wurde, gab mir Hadhrat Mirza Nasir AhmadRH die Anweisung, nach Ghana zu gehen und sagte mir, ich solle höchste Standards an Moral etablieren und das beste Vorbild für andere sein, damit diese beobachten und davon lernen können. Das war die einzige Instruktion, die er mir gab, als ich in mein neues Leben aufbrechen wollte. Ich hatte Glück, dass Hudhur während meiner Zeit in Ghana, das Land besuchte und ich so die Gelegenheit hatte, Hudhur sehr genau zu beobachten und von seinem persönlichen Vorbild zu lernen. Ich beobachtete ihn und sah, wie er sich verhielt und wie er sprach und es war ein großer Segen für mich, ihn aus solch einer Nähe beobachten zu dürfen.“

Hudhur setzte fort:

„Danach wurde der Vierte Khalifa, Hadhrat Mirza Tahir AhmadRH in 1982 gewählt. Natürlich war eine enge familiäre Beziehung zwischen uns, er war mein Onkel und ich bin mit ihm aufgewachsen und hatte einen engen persönlichen Kontakt zu ihm vor seinem Khilafat. In der Tat gab es zu einem gewissen Grad eine Offenheit zwischen uns. Sobald er jedoch zum Khalifatul Masih gewählt wurde, änderte sich unsere Beziehung. Es war, als wäre eine Barriere zwischen uns aufgetaucht, wodurch die Offenheit meinerseits sich komplett in vollkommenen Respekt gegenüber ihm als meinen spirituellen Anführer änderte.“

Lebhaft seine vollkommene Liebe und Respekt für Khilafat beschreibend, sagte Hudhur:

„Tatsächlich war ich in meinem Herzen entschlossen, sein gehorsamster Anhänger zu sein und leistete den Schwur ab, dass egal was passieren möge, ich all dem Gehör schenken und Folge leisten werde, was auch immer er von mir verlangen wird. Ich war fest entschlossen, mehr als jeder andere derjenige zu sein, der ihn zu jeder Zeit ehren und gehorchen würde. Auf diese Art wurde ich von meinen Eltern erzogen und ihr Einfluss auf mich hat lebenlang angehalten.“

Während ich Hudhurs Worten horchte, lief mir ein Schauer über meinen Rücken. Ich dachte daran, wie Hudhur den Schwur ableistete, der gehorsamste Anhänger des Khalifatul Masih IVRH zu sein und wie er dieses Versprechen in jeder möglichen Hinsicht erfüllt hatte und als die Zeit kam, Allah der Allmächtige ihn zum Khalifatul Massih V nach dem Ableben von Hadhrat Mirza Tahir AhmadRH erwählte.

Ich reflektierte auch über Hudhurs Erinnerung an die Zeit von Hadhrat Khalifatul Masih IIIrh und wie er Mut und Standhaftigkeit in Hudhur einpflanzte, indem er Hudhur instruierte, zur Universität zu gehen, auch wenn andere sagten, es wäre zu gefährlich. Und wie Allah der Allmächtige diesen Samen segnete, den Khalifatul Masih IIIrh eingepflanzt hatte.

Später erwähnte ich vor Hudhur, dass ich noch nicht davon gehört hatte, dass ihn bestimmte Leute in Pakistan geraten hatten, nicht zur Universität zu gehen.

Darauf antwortete Hudhur:

„Ja, sogar mein Vater (Hadhrat Mirza Mansoor Ahmad) war besorgt und wollte anfangs nicht, dass ich gehe. Wie auch immer, unsere häusliche Erziehung war immer, dass, wenn der Khalifa eine Entscheidung getroffen hatte, wir diese befolgen und ihr gehorchen müssen. Saboohi (geehrte Ehefrau von Hudhur) erzählt auch, wie bei ihr zu Hause ihre Eltern sie und ihre Geschwister dazu erzogen, wann auch immer ihre Aussagen den Worten des Khalifa-e-Waqt entgegengerichtet seien, ihre Kinder außer Acht lassen sollten, was ihre Eltern gesagt haben und ausschließlich den Worten des Khalifa Folge leisten sollten. Das war das Umfeld, in dem wir aufgezogen wurden.“

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